Home Abnehmen Hilfe – ich bin dünn. Von der schweren Leichtigkeit des Seins

Hilfe – ich bin dünn. Von der schweren Leichtigkeit des Seins

Die WHO empfiehlt den BMI als Index zur Darstellung des weltweiten Übergewichtsproblems „The global epidemic of overweight and obesity – „globesity“ – is rapidly becoming a major public health problem in many parts of the world.“ http://apps.who.int/bmi/index.jsp

Unterhalb eines BMI von 18,5 wird ein menschlicher Körper heute offiziell als untergewichtig oder dünn eingestuft. In Deutschland hat man als Untergewichtiger bei der privaten Krankenkasse einen Risikoaufschlag zu zahlen. Übergewichtige (BMI > 25) hingegen haben keine Zuzahlung wegen gesundheitlicher Risiken für die Kasse zu zahlen. Gleichzeitig sind die Kosten für die Kassen die durch Übergewicht entstehen, die höchsten überhaupt. Platz Nummer eins nimmt die Behandlung von der Zuckerkrankheit und ihren Folgeerkrankungen ein. Dünne werden in Deutschland aufgrund ihrer körperlichen Konstitution diskriminiert. Dabei ist es gerade andersherum. Dünne sind seltener krank. Aber vielleicht ist der Risikoaufschlag der Krankenkassen für Dünne auch nicht wegen der Kosten für Krankheit als vielmehr wegen der deutlich höheren Lebenserwartung kalkuliert.

Dünne werden in der Öffentlichkeit als psychisch Kranke dargestellt (Schlankheitswahn). Am bekanntesten in diesem Zusammenhang ist die Hetzkampagne gegen dünne Modells. Diese Kampagne konnte den Erfolg verbuchen, dass dünne Modells fortan an bestimmten Aufführungsorten ab sofort mit Arbeitsverbot aufgrund ihres Körperbaus verdammt wurden. In einer Welt politischer Korrektheit, antirassischer- und antireligöser Schunkelkulissen wird diese Form der Diskriminierung gar nicht als solche wahr genommen.

Dünne kämpfen inzwischen auf verschiedene Weise um ihre gesellschaftliche Akzeptanz. Ein Beispiel ist diese Seite, auf der sich dünne Frauen mit dem Spalt zwischen ihren Oberschenkeln brüsten.

dünne Oberschenkel

dünne Oberschenkel

 

dicke Oberschenkel

dicke Oberschenkel

Dünn sein assoziiert den Ausstieg aus dem kapitalträchtigsten Konsummarkt. Und tatsächlich sind in dieser Welt Normalgewichtige nur noch auf der Leinwand und Dünne nur noch in den Traumwelten der Werbung zu sehen. Ein Dünner erscheint im Alltag wie ein Außerirdischer. Mögliche Erklärungsmuster reduzieren sich auf drei Deutungen: Krebs (Therapie), AIDS oder psychische Probleme. Ein Dicker empfindet einen Dünnen als Negation eigener Körperfülle, als Bedrohung, als Vorführung eigener körperlicher Fehlfunktion. War der Dünne früher selbst einmal dick, wird er von Bekannten sofort einfühlsam und anteilnehmend befragt: „Bist du krank?“ Zu dieser charmanten Frage muß der Dünne dann lächeln und dem Dicken eine entschuldigende und plausible Geschichte über die momentane Körpersituation liefern. Einem Dünnen würde es nicht einfallen ein Gespräch mit der Verwunderung zu beginnen: „Du bist aber wieder fett geworden“.

Als Außenseiter stehen ihm solche Äußerungen nicht zu. Fetter werden ist normal. Am Grad der Fettstufe läßt sich das Alter eines Menschen ablesen. „Komm Du mir mal in mein Alter“ lautet  die lakonische Antwort, fragt man seine Eltern nach der Beleibtheit ihres Körpers. So ist das eben. So hat das „Mutter Natur“ eigerichtet.

Fett sein ist legitim. Fett sein bedeutet, aufgrund seiner „genetischen Eigenschaften“ der nächsten Eiszeit gewachsen zu sein. Denn die „Fähigkeit“ fett zu werden – so die Wissenschaft – bedeutet (neben all den zugegebenen Einschränkungen der Gesundheit) in Phasen des Ernährungsmangels besser bestehen zu können. Scheinbar geistert dort die Vorstellung durch den Raum, dass der Mensch ähnlich wie der Bär in eine Art Winterschlaf verfällt und dort über einen längeren Zeitraum seine Fettreserven abbaut. Denn ein aktiver Organismus muss alle zwei Stunden seine Fettmassen füttern. Nun dauert eine Eiszeit deutlich länger als zwei Stunden.

Spielen wir das Szenario „plötzlich ist Eiszeit“ einmal durch. Wie gesagt, nach zwei Stunden meldet sich bei einem Dicken „der kleine Hunger“. Denn nach zwei Stunden kommt der Blutzucker nach der letzten Leckerspeise wieder herunter. „Oh ich bin unterzuckert“ ist der typische Spruch zu diesem körperlichen Zustand. Dauert dieser Zustand an, kann ein Dicker langsam ungemütlich werden. Der „kleine Hunger“ verwandelt sich in Heißhunger und beginnt zu schmerzen. Die Schwelle, was als Essbar anzusehen ist, sinkt kontinuierlich. Nach 12 Stunden fühlt sich der Dicke nur noch elend. Nach 24 Stunden wird er Galle kotzen vor Hunger. Es waren die Dicken im Gulag, die aufgrund der Nahrungssituation als erste wegstarben. Gerade ihre körperliche Verfassung sortierte sie genetisch aus. So ist das beliebteste Argument einer wissenschaftlichen Erklärung dieser „globalen Epidemie“ des fett Seins, eine unhinterfragte und lieb gewonnene Rechtfertigung gefühlter Unvollkommenheit.

Dicke Mütter agitieren ihre eßunlustigen Kinder mit den Worten: „iß doch mal“, „woanders verhungern die Kinder“, „du willst doch groß und stark werden“, „essen und trinken hält Leib und Seele zusammen“, „wer nichts ißt, kann nichts leisten“ usw. Und wenn das Kind partout nicht essen will, wird einfach Zucker an die Speise gerührt oder gleich nur noch die süßen Lieblingsspeisen aufgetischt. Es sind die Mütter die ihre Kinder wie Schweine mästen. Es ist die körperliche Fülle der Mütter die dem Kind das Bild eines normalgewichtigen Menschen prägen. Es sind die Freßattacken der Mütter die dem Kind den Turnus für Essen fassen antrainieren. Es sind die Zwänge der Berufstätigkeit der Mütter, ihren Kindern industriell erzeugte Fertiggerichte mit einem hohen Anteil leicht verdaulicher Kohlenhydrate zu servieren. Es ist das Belohnungssystem der Mütter, wenn es etwas „Besonderes“, eine kleine „Überraschung“ oder eine „Belohnung“ das den Zuckerkonsum als etwas Besonderes trainiert. Es sind die Mütter die ihren Kindern Zuckerkonsum als bedingten Reflex für Belohnung antrainieren. Letztendlich sind es die Mütter die dafür sorgen, dass sich Entscheider in Krankenversicherungen schwer damit tun, Dünne zu versichern. Letztendlich sind es die Mütter die dafür sorgen, dass dicke Männer entscheiden, die „hungernde“ Dritte Welt vor einer Hungerkatastrohe mit der Belieferung von Kohlenhydraten zu bewahren.

Völlerei hat bisher jede Hochkultur aussterben lassen. Warum sollte es der Aktuellen anders gehen? Nur weil sich die aktuelle Hochkultur weltweit entfaltet hat, ist dennoch ihr Ende besiegelt. Die Zwänge der Verlockungen wiederholen sich in penetranter Banalität. Vielleicht reicht aber auch der CO2 Ausstoß aller fettleibigen Pforzer dieser Welt nicht aus, die nächste Eiszeit zu verhindern. Dann sind sowieso nur noch die Dünnen unter sich. Dann kann man sich irgendwann wieder den Luxus leisten eine Frau fett zu mästen und sie als etwas Besonderes in Ton zu verewigen.

zeitloses Schönheitsideal weiblicher Formen

Venus von Willendorf

ähnliche Artikel

0 3571

0 0