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Musik

0 2001

Pink Floyds Werke werden dieser Tage als Remaster neu aufgelegt. Ich habe mir ihre wichtigste LP geladen und in verschiedener Umgebung angehört. Die nachfolgende Rezension ist eigentlich eine Liebeserklärung an eine Stimmung und Schwingung, wie sie nur diese Musik erzeugen kann.

Pink Floyd in Traumbesetzung 1980

Pink Floyd in Traumbesetzung 1980

Am geilsten klingt Wish you where here auf Schallplatte. Meine erste Schallplatte war dieses Meisterwerk von Pink Floyd. Und ich habe sie täglich mehrfach gehört. Entsprechend veränderte sich auch der Klang. Gerade die leisen Passagen bekamen dieses spitze Prasseln abgenudelter Plattenrillen. Ich hatte es gehaßt. Jede Zärtlichkeit mit meiner Freundin wurde unterbrochen, denn ich musste genau hinhören wie es wieder so ätzend prasselte und knisterte. Schließlich bekam sie in Wish you where here auch noch einen Sprung. Ich bin gestorben und konnte mich nur sehr schwer damit anfreunden. Freunde denen ich die Platte immer und immer wieder vorspielte schauten mich dann ganz betroffen an.

Pink Floyds Sound war damals außerirdisch intergalaktisch jenseitig jeder Beschreibung. Und auf meinem Ziphona Türkis mit Nussbaumfurnier und integriertem Verstärker klang das wie eine neue und fremde Dimension des Hörens. Kein anderer Sound erreichte jemals wieder diesen warm vibrierenden  Tiefenrausch, jede Faser meines Körpers zum Schwingen bringend.

Dann das erste Gitarren-Solo das ist meine musikalische Sozialisation. Shine on you crazy diamond kann man so schön schmachtend mitschreien. Dazu das Feadback der Band. Da war ich einer von denen. Wegen wish you where here habe ich Gitarre spielen gelernt und spiele es immer wieder, gerade wenn ich down bin. Wahrscheinlich ist diese Platte meine psychologische Betreuung in der Pubertät gewesen. Sie hat mich getröstet oder angeheizt oder einfach nur mitgerissen in eine klangliche Traumwelt.

Die CD habe ich dann kaum noch gehört. Das dudelte nur noch so ab. An verschiedenen Stellen an denen ich immer dachte, meine Platte würde eine Macke haben, waren es übersteuerte Pegelspitzen der Aufnahme selbst. Auf der CD klang es nackt und schlecht, wie eine dumm gelaufene Aufnahme eines schlafmützigen Ton-Ingenieurs. Und das ausgerechnet in der Hymne selbst, dem verrückten Diamanten.

Heute klickt nicht mehr der Saphir auf der Rille, heute ist es der Reloadklick des Browsers. Das passt dann wieder zu den knarzigen und brummenden Übergängen in der Machine. „Welcome“, Ich kam damals im Traum nicht auf den Gedanke wie es wäre, es zu liegen, seinen Jaguar zu lieben. Aber insgeheim gehörte ich mit dieser Musik zu ihnen, war einer von ihnen. Das wichtigste an Welcome… ist der Zynismus. Er läßt Spielraum für alle erdenklichen philosophischen Erklärungen von Sinn und Leben. Pink Floyd war der Kontrast, der Gegenentwurf für eine banale Welt teilnahmsloser plaudernder Gestalten, die sich an volksmusikalischem Gedudel ergötzten.

Ob der Remaster seine 10 Euro Wert ist, weiß ich nicht. Der Sound ist brillanter und detaillierter. Vor allem die Bässe sind runder geworden und die übersteuerten Höhen sind ausgebügelt. Am besten klingt es aus meinem Autoradio. Vor allem deshalb, weil ich nirgends sonst die Musik ungestraft so laut stellen könnte. Der versetzte Orgelanschlag von Roger Waters klingt noch etwas aufgesetzter und das Gitarren-Solo von David Gillmore noch präziser und knackiger.

Wenn digital, dann empfehle ich die Live-Version. Da gibt es richtige Performance und die Bühnensituation bügelt die Kälte der Digitalisierung aus. Auf jeden Fall freue ich mich auf die remasterte Schallplatte. Die gibt es dann hoffentlich auch in einer schweren Pressung.