Cumarin im Zimt – 50 Jahre Krebsverdacht

//Cumarin im Zimt – 50 Jahre Krebsverdacht

Krebsverdacht heißt das Zauberwort, um Inhaltsstoffe effizient auf den Negativ-Index zu befördern, so auch das Cumarin im Zimt. Dieser Artikel über das Cumarin und den Zimt ist Teil einer größeren Arbeit über die Geschichte von verteufelten Lebensmitteln. Der Spinat war durch einen kleinen Fehler über viele Jahrzehnte Mega-Lieferant für Eisen und galt als besonders gesund. Andere Lebensmittel wurden plötzlich gefährlich und mit großem behördlichem und verbraucherschützerischem Eifer aus der Alltagswelt verbannt.
Wer hat die Definitionsgewalt über die gesundheitsschädliche Wirkung eines Stoffes? Wie entsteht Krebsverdacht? Wer sind die Akteure in diesen Inszenierungen? Das soll nachfolgend exemplarisch anhand von Cumarin und seinen Anteilen im Zimt vorgeführt werden.

Reisen wir zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.  Mehrere Voraussetzungen waren entstanden. Weltweit das mächtigste Imperium und Träger der absoluten Definitionsgewalt war schon damals die amerikanische Zulassungsbehörde für Lebensmittel, FDA. Was sie als gefährlich einstufte, galt und gilt weltweit als gefährlich. Es waren vor allem Tierversuche mit Lebensmitteln, die einen Krebsverdacht erregten. Man glaubte, wenn der Körper von Ratten mit bestimmten Stoffen überfüttert wurde und der Körper mit Krebs reagierte, dass dies auch eine Gefahr für den menschlichen Organismus darstellen würde. Wenn man also etwas vom Markt putzen wollte, lohnte immer der Nagetiertest, die FDA erledigte dann den Rest.

Dieses traurige Schicksal ereilte auch das Cumarin, ein Geruchs- und Geschmacksstoff der in Zimt oder in Waldmeister, aber auch in Kirschen oder Aprikosen zu finden ist. Ein Weihnachtsgebäck wird erst zum Weihnachtsgebäck, wenn es nach zimtenen Cumarin riecht. Aber auch Düfte, wie das Kölnisch Wasser erhalten durch das Cumarin seine frisch-leicht-pikant vanillig-fruchtige Note. Zimt gilt seit dem Alten Ägypten als Würz- und Duftaroma und vor allem aber auch als Heilmittel. Wie selbstverständlich wird Zimt gern Süßem beigewürzt. Heute baden US-Amerikaner förmlich in einem schieren Angebot an Cinnamon-Taste, nachdem die FDA die Grenzen für Cumarin fast vollständig zurück genommen hat.

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persönliche Anmerkung

Ich selbst erlebte die Auswirkungen des „FDA-Coumarin-Acts“ von 1954 erst ca. 14 Jahre später in Berlin. Plötzlich waren die Knöpfe an den Brauseautomaten mit der Waldmeisterbrause außer Funktion. Und alle wußten auch warum. Waldmeister ist krebserregend. Vater Staat drehte per Gesetz und Behörde den Waldmeisterbrausehahn zu, zum Schutze meines Leibes, körperlich und direkt erfahrbar. Die zweite schreckliche Erfahrung war, dass alle anderen Brause-Sorten einfach nur ekelig schmeckten. Das war für mich eins der prägendsten Erlebnisse meiner Kindheit.
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Krebserregend, wie BfR und Foodwatch den deutschen
Verbrauchermarkt regulieren

Das Schicksal des Cumarin teilen noch weitaus mehr Stoffe und Substanzen, die zu Opfern von Verboten oder Kampagnen wurden und unter Verdacht stehen, krebserregend, oder ein tödlich-gefährliches Gift zu sein: Amygdalin (in bitteren Mandeln), Buchenteer (Fagusan-Hustensaft), Acrylamid (gegrilltes Fleisch, scharf Frittiertes, scharf Gebratenes)

Jedes dieser Stoffe ist in ausreichender Dosis tödlich, wie alle Dinge tödlich sein können, die uns umgeben. Denn, die Dosis macht das Gift. Was alle diese Stoffe jedoch eint ist eins, sie sind, jedes in seiner Weise, ein wirksames Pilzgift. Durch bösen Leumund sind sie aus dem Alltag des Normalkonsumenten weitgehend verschwunden.

Wie viele Fabriken mussten wohl die Alu-Riffel-Grill-Schalen-Hersteller neu eröffnen, seit Papi seine Schweinesteaks nur noch in Alu-Riffel-Grill-Schalen weich dünstet, weil er freundlicher Weise durch das BfR vor Acrylamid gewarnt ist? Das BfR ist das Bundesinstitut für Risikobewertung, und nach der FDA, weltweit die Nummer zwei, obwohl die Europäische Behörde – die efsa – die übergeordnete Behörde ist. Daher darf die efsa unser Vorspiel eröffnen.

Vorspiel

Im Oktober 2004 publiziert die European Food Safety Authority (efsa) eine Stellungnahme zu Cumarin. In klinischen Studien an Nagetieren wurde nach Verfütterung großer Mengen Cumarins Krebs festgestellt. Die efsa sah sich genötigt, Studien auszuwerten die einen Hinweis darauf geben, ob daraus eine Gefahr für den Menschen ableitbar sei. Die Studien an Menschen gaben darauf keinen Hinweis. Dennoch beschlossen die vorsichtigen Beamten eine Höchstgrenze der TDI (täglich erlaubten Menge je kg Körpergewicht) von 0,1 mg festzulegen. Sie wiesen aber gleichzeitig auf die Unbedenklichkeit dieser Grenze hin, da sie über den Nahrungsmittelkonsum nicht erreicht werden könne:

Das Gremium kam daher zu dem Schluss, dass bei der Festlegung eines TDI, hepatotoxische Reaktionen berücksichtigt werden sollten und, dass bei der Anwendung Sicherheitsfaktoren des no-observed-adverse-effect level (NOAEL) [einer Stufe des nicht beobachtbaren Negativ-Effekts] für Hepatotoxizität [Lebergiftigkeit] zur Anwendung kommen soll. Es wäre umsichtig, einen Faktor von 10 anzulegen, um auf das Potenzial von interhumanen Variationen eingehen zu können. Hinzuzufügen wäre ein weiterer Faktor 10, um potentielle individuelle Unterschiede zwischen Menschen berücksichtigen zu können.

Ein festgelegter Sicherheitsfaktor von 100 ergibt demnach ein TDI von 0 bis 0,1 mg Cumarin.

Basierend auf konservativen Schätzungen der Einnahme von Cumarin über aktuelle maximal zulässige Konzentrationen in Lebensmitteln, wird derzeit die Überschreitung des TDI über die Nahrungsaufnahme ausgeschlossen.„((http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/104.htm)Aus dem englischen. Felix Cyano)

Brüsseler Forschungsbeamte kamen 2004 zu keinem wirklich fundiertem Schluss. Keines der humanpathologischen Forschungen mit Cumarin kamen zu signifikanten Ergebnissen. Die Krebserzeugung bei Nagern war jedoch perfekt belegt und auch die bio-chemisch-geneto-hormonellen Abläufe in Lehrbüchern seitenweise kartiert. Die vorsichtigen Forscher kamen zu dem umsichtigen Schluss, dass wenn man es nicht genau weiß, lieber vorsichtiger ist. Nur Dumme würden dem Impuls folgen und meinen, solange Du, Behörde darüber nichts kompetentes Äußern kannst, halt Deinen Mund. Gleichwohl dominiert ein behördlich oktroierter,  dem Gremien-Geist nicht unähnlicher, Charme einer mütterlich vorauseilenden Vorsicht. Der Slogan „No risk, no fun.“ Wäre für sie der Gipfel der Verantwortungslosigkeit.

Zum Glück tragen in Deutschland Behörden wie die BfR die offizielle Verantwortung über die Gesundheit der Dinge, die wir uns täglich zwischen die Lippen schieben. Aus dem Gesundheitsamt erstanden, war die einstige Funktion dieser Behörde, den deutschen Volkskörper gesund zu halten. Dieser Geist haucht uns auch heute noch in den Texten des BfR an.

Was ängstliche Brüsseler Beamte 2004 europaweit festlegten, machte nun langsam die Runde auch in den entsprechenden deutschen Kreisen. Sie lasen die Conclusions der Studie jedoch vollkommen anders. Noch heute wird die „2004 efsa Studie zum Lebertoxizität des Cumarin“ herangezogen, um die Gefährlichkeit dieses Stoffes zu unterstreichen. Sie ist der europaweite Bann-Beweis dafür, dass Cumarin ein gefährlicher Leberkrebs-Stoff sei.

Hauptakt

Das eigentliche Schauspiel beginnt in Deutschland am 26.10.2006. Foodwatch eröffnet seine Cumarin-Kampagne mit einem Artikel über von Tierversuche und Krebs, von „es ist bekannt“ oder „Seitdem wird darüber diskutiert“. Es sind nebulöse Mitteilung über die Gefahr die von Cumarin ausgehen soll. Ausdrücklich bezieht man sich auf die 2004 efsa-Studie.
Seit den 1970er Jahren ist bekannt, dass Cumarin im Tierversuch Krebs verursacht. Seitdem wird darüber diskutiert, welcher Mechanismus dieser Wirkung zugrunde liegt. Bis vor einigen Jahren wurde nicht ausgeschlossen, dass die in Tierversuchen beobachtete krebserzeugende Wirkung von Cumarin auf einer Schädigung des Erbguts beruht (genotoxische Wirkung). Dies hatte die Festsetzung eines gesundheitlich unbedenklichen Grenzwerts ausgeschlossen, da bei genotoxischen Substanzen theoretisch bereits ein Molekül ausreicht, um durch eine Erbgutschädigung Krebs auszulösen.

Neuere wissenschaftliche Ergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass Cumarin nicht genotoxisch wirkt. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2004 deshalb erstmals einen Grenzwert für die tägliche Aufnahme von Cumarin genannt, unterhalb dessen keine gesundheitsschädigende Wirkung zu befürchten ist. Dieser sogenannte TDI-Wert (tolerable daily intake) liegt bei 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.„(http://foodwatch.de/kampagnen__themen/zimt_und_cumarin/hintergrund_cumarin/fragen_und_antworten/frage_4/index_ger.html).

Gelesen wird in der Regel der erste und der Schluss des letzten Satzes. So entsteht aus der eigentlich sachlichen Mitteilung, nichts genaues weiß man nicht, und deshalb ist man vorsichtig ein: „Seit den 1970er Jahren ist bekannt, dass Cumarin im Tierversuch Krebs verursacht. (…) Dieser sogenannte TDI-Wert (tolerable daily intake) liegt bei 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.“

Die Foodwatch-Cumarin-Kampagne erhielt ihren ersten Höhepunkt als sie enthüllen können: „Lebensmittel mit Zimt enthielten viel zu viel leberschädigendes Cumarin.“ (http://foodwatch.de/kampagnen__themen/zimt_und_cumarin/index_ger.html).

Foodwatch veröffentlichte die Testergebnisse ihres Lebensmitteltests und erstatteten Strafanzeige gegen einen Hersteller, gegen Handelsketten, den Lobbyverband BLL und das Bundesverbraucherministerium. Es geht rund, die an den Pranger gestellten Einrichtungen und Industriezweige nehmen die Rolle an und beeilen sich, schnell die Brüsseler Bestimmungen durchzusetzen.

In diesem Geist schreibt dann im Juli 2007 das BfR einen Artikel mit dem Titel: Cumarin im Zimt, herausgegeben von der Abteilung Lebensmittelsicherheit, Lebensmitteltoxikologie.

„Zimtliebhaber nehmen 1 – 3 g Zimt pro Mahlzeit zu sich (ca. 3 bis 9 mg Cumarin). Bei zweimaligem Verzehr pro Woche wird bei Kleinkindern der TDI-Wert überschritten daher ist auch für Zimtpulver (und Zimtstangen) eine Regulation erforderlich.“ (http://www.bfr.bund.de/cm/343/cumarin_in_zimt.pdf)

Das BfR postulierte einen einen dreijährigen Zimtliebhaber, der drei Gramm Zimt pro Mahlzeit zu sich nimmt. Drei Gramm, das ist eine halbe Zimtstange. Gepaart wird dieses Opferprofil mit den vorsichtigen sicherheitshalber Werten nach der Formel 10 x 10 x 100 x ??? = ergibt 01, mg TDA.

Zimtstange, 3 Gramm, mit hohem Cumarin-Gehalt
Eine halbe Zimtstange von drei Gramm. Sie kann bis zu 9 mg Cumarin enthalten und war trotzdem – erstaunlicher Weise – immer in den Regalen verfügbar.

Das Bild oben zeigt die eigentliche Absurdität dieser Kampagne. Welcher normalgewichtige Zimt-Liebhaber würde/könnte täglich eine solche Menge Zimt verzehren? Gemahlen sind das drei üppige Telöffel Zimtpulver.

Ein etwas älterer und vielleicht auch typischer Zimt-Liebhaber könnte etwa 90 kg wiegen und dürfte dann pro Mahlzeit 30 Gramm Zimt zu sich nehmen, müßte dann aber aufpassen, dass er den Grenzwert von etwa sechs Zimtstangen, oder ca. 12 Teelöffeln Zimt, nicht überschreitet. Wir wissen ja, wie verantwortungslos gerade Zimtliebhaber mit ihrem Körper umgehen.

Der Verbraucherschutzverein Foodwatch kann jedenfalls seinen Auftrag, als Futter-Sheriff für zivile Ordnung zu sorgen, an der Cumarin-Front als erfüllt melden im Dezember 2008 mit dem Artikel:Getestete Produkte halten Cumarin-Grenzwert ein. in ihm heißt es:

Bei Tests im März 2008 fand das Labor in den Frühstücksflocken von Dr. Oetker („Vitalis Crunchies Zimt“) und Nestlé („Cini Minis“) kaum noch Cumarin. Der „Milchreis Apfel-Zimt“ von Dr. Oetker lag mit 2,3 und 2,7 Milligramm Cumarin pro Kilogramm im verzehrsfertigen Produkt aber noch knapp über dem gesetzlichen Grenzwert von 2 Milligramm. Bei Nachtests im Dezember lag dann auch dieses Produkt mit weniger als 0,5 Milligramm Cumarin pro Kilogramm weit unter dem Grenzwert.“ (http://foodwatch.de/kampagnen__themen/zimt_und_cumarin/index_ger.html).

Spätestens jetzt hatten alle Medien über Foodwatch und seine Cumarin-Kampagne berichtet. In der Bevölkerung blieb dabei viel weniger hängen, was Foodwatch für mutige Helden waren, die die Behörden wie die Lebensmittelhersteller vor sich her trieben.
Aus den Redaktionsstuben wird von nun an direkt vor der Weihnachtszeit das dankbare Thema Cumarin und seine Folgen bearbeitet. Alle wissen Bescheid und es wird die rituelle Mahnung erteilt: Zimt erzeugt Leberkrebs ab 0,1. Und das ist verdammt wenig...
wirklich?

Was Foodwatch durchsetzte war, dass ein 10 kg schweres Kind pro Mahlzeit etwa 1 kg Milreis Apfel-Zimt  mit Milch, oder 1 kg Frühstücksflocken verzehren kann, ohne dass die Cumarin-Grenzwerte überschritten werden würden. Das kann ja alles passieren.
In seinem Missionserfüllungstext vergaß Foodwatch jedoch auf eine wichtige Neuerung aus Brüssel einzugehen, der EU-weiten 300-fachen Erhöhung der Cumarin-Grenzwerte.

Kurzes Intermezzo.

Im Oktober 2008 publizierte das efsa eine teilweise Entwarnung zum Thema Cumarin:

Das Gremium prüfte die Toxizität anhand von Studien über den Stoffwechsel von Cumarin bei Menschen mit CYP2A6-Polymorphismus, Studien, die seit der letzten Stellungnahme 2004 verfügbar gewordenen sind, sowie klinischen Studien. Es prüfte die zugewiesenen TDI von 0,1 mg Cumarin / kg aus der Stellungnahme von 2004. Angesichts der Daten über die Toxizität des Cumarin, einschließlich des Zeitpunkts des Beginns der Auswirkungen auf die Leber, die Wiederherstellung dieser Effekte nach Beendigung der Exposition gegenüber Cumarin und der Eliminations-Halbwertzeit, kam das Gremium zu dem Schluss, dass die Exposition gegenüber Cumarin bis zu einer 3 mal höheren Aufnahme für ein bis zwei Wochen nicht gesundheitlich bedenklich ist.“ (http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/793.htm)

Die efsa wurde also mutig und erhöhte den Grenzwert auf 0,3 mg Cumarin je kg Körpergewicht pro Tag. Ein 30 kg schweres Kind hätte laut efsa nun bedenkenlos 9 g Cumarin zu sich nehmen können. Eigentlich ein dummer Zeitpunkt für Foodwatch, das immer noch die Durchsetzung der veralteten Grenzwertnormen feierte.

Zimt; 3 Gramm frisch gemahlen und feucht

Zimt; 3 Gramm frisch gemahlen und feucht

Dennoch wirken die Ereignisse, Ausgelöst durch Foodwatch, bis heute.  Im Februar 2011 informiert das BfR für Cumarin eine weitere Grenzwerterhöhung auf bis zu 50 mg pro Tag und Kilo Gewicht bei klassischen Zimtspeisen.

Der Höchstgehalt der alten Aromenverordnung von 2 mg/kg (für Lebensmittel allgemein) orientierte sich an der Nachweisgrenze der 1980er Jahre. Im Jahr 2006 nahm die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine Neubewertung von Cumarin vor, in der die Substanz entgegen der vorherigen Einschätzung nicht mehr als Kanzerogen mit gentoxischem Wirkmechanismus bewertet wurde.
(…)
Nachdem zunächst die Höchstwerte für Cumarin auf europäischer Ebene ganz gestrichen werden sollten, wurden auf Drängen von BfR bzw. BMELV schließlich im neuen Aromenrecht (EG-Verordnung 1334/2008) Cumarin-Höchstgehalte für spezielle Lebensmittel festgelegt, die Zimt enthalten. So beträgt der neue Höchstgehalt 50 mg/kg für traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist (z.B. Zimtsterne). Bei diesem Wert sind Überschreitungen kaum noch zu erwarten.

Für Verbraucher gilt: Nur wer häufig und sehr viel Zimt und zimthaltige Lebensmittel zu sich nimmt, überschreitet möglicherweise die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge. Diesen Menschen ist für den Gebrauch zu Hause weiterhin der Cumarin-arme Ceylon-Zimt (Abb. 4) zu empfehlen.„(http://www.bmelv-forschung.de/fileadmin/dam_uploads/ForschungsReport/FoRep_2011-2/Weihnachten%20ohne%20Zimtsterne.pdf).

Der Text klingt populärwissenschaftlich, das Layout ist locker. Trocken und hart geht es dennoch in der offiziellen Publikation des BfR: ttp://www.bfr.bund.de/cm/343/cumarin_in_zimt.pdf zur Sache.i

27.9.2012 – das BfR teilt mit: Gefahr durch Cassia-Zimt. Dieser billigere Zimt kann bis zu 30 g Cumarin pro kg enthalten. Eine Person von 60 kg würde ab einem täglichen Verzehr von 2 g dieses Zimtes die Grenzwerte Deutscher Grenzwertfestleger überschreiten. Dann solle man doch lieber zum Cumarin-armen – aber teureren – Ceylon-Zimt greifen.

Gleichzeitig gibt das BfR aber auch eine neue europäische Regelung über die Höchstgrenzen u.A. von Cumarin bekannt:

„Höchstgehalte für Cumarin in Zimt als Gewürz (Pulver oder Stangen) wurden im neuen europäischen Aromenrecht nicht festgelegt, da grundsätzlich keine Höchstgehalte für natürliche Inhaltsstoffe in Kräutern und Gewürzen festgelegt werden sollten. Das BfR hatte entsprechende Höchstgehalte empfohlen.“ (

http://www.bfr.bund.de/cm/343/neue-erkenntnisse-zu-cumarin-in-zimt.pdf)

Endlich hält sich die efda in Europa aus den Cumarin-Grenzwertfestlegungen heraus. Es gibt europaweit keine Einschränkungen mehr für den Cumarinverzehr. Doch was passiert in Deutschland 2012? Was rauscht heute durch den Medienwald zum Thema Cumarin?Wird auch in Deutschland die Befreiung von der jahrelangen Cumarin-Grenzwert-Knechtung durch übervorsichtige Behörden gefeiert?

Finale – kleine Rezeptionsanalsys deutscher Medien

Was bleibt hängen?

BfR – 27.09-2012

Besteht für den Verbraucher ein Risiko durch den Verzehr von Zimt als Gewürz?

Da eine leichte Überschreitung des TDI-Werts für ein bis zwei Wochen als unbedenklich anzusehen ist, ist ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher nur möglich, wenn diese sehr viel Cassia-Zimt mit hohen Cumaringehalten über einen längeren Zeitraum verzehren. Bei einem Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 kg ist der TDI-Wert bei ca. 2 g Cassia-Zimt täglich ausgeschöpft. Bei einem Kleinkind mit einem Körpergewicht von 15 kg ist dies bei einer Aufnahme von ca. 0,5 g Cassia-Zimt der Fall (siehe Foto). Wenn ein Kleinkind beispielsweise zweimal pro Woche eine Hauptmahlzeit Milchreis mit Zucker und Zimt, jeweils mit 0,5 g Zimt (Cumaringehalt: 3000 mg pro kg Zimt) isst, wird der TDI-Wert dadurch lediglich zu 29 % ausgeschöpft. Wer bei der Lebensmittel-Zubereitung im Haushalt oft große Mengen Zimt als Gewürz verwendet, zum Beispiel für Milchreis mit Zucker und Zimt, sollte den cumarinarmen Ceylon-Zimt verwenden.

Wie kann der Verbraucher Ceylon-Zimt von Cassia-Zimt unterscheiden?

Liegt Zimt als Pulver vor, ist es für den Verbraucher kaum möglich, Ceylon-Zimt von Cassia-Zimt zu unterscheiden. Allerdings gibt es Produkte, auf denen die Zimtart „Ceylon Zimt“ auf der Packung ausdrücklich angegeben ist. Anders ist das bei Zimtstangen: Während bei Cassia-Zimt eine relativ dicke Rindenschicht zu einem Röllchen eingerollt ist, ähnelt eine Ceylon-Zimt-Stange im Querschnitt einer angeschnittenen Zigarre – mehrere feine Rindenlagen sind zu einer Zimtstange gerollt, so dass ein vergleichsweise eng gepackter Querschnitt resultiert.“ (http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_cumarin_in_zimt_und_anderen_lebensmitteln-8439.html)

Stern.de – 28.09.2012

„Cumarin kann bei empfindlichen Menschen schon in relativ geringen Mengen die Leber schädigen. Darauf weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin in einer aktualisierten Stellungnahme auf Basis neuer Daten hin.“(http://www.stern.de/gesundheit/zimtliebhaber-verwenden-besser-ceylon-variante-1902246.html)


Medizinauskunft.de

zitiert Ausschnitte der letzten BfR-Studie vom 27.9.2012:

Weil Cumarin die Gesundheit gefährden kann, gibt es in Europa Höchstmengen, die man nicht überschreiten sollte – genannt wird das die tolerierbare Dosis (TDI-Wert). Der TDI-Wert für Cumarin wurde auf 0,1 mg Cumarin pro kg Körpergewicht festgelegt. Das ist der Wert, der ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ein Leben lang täglich aufgenommen werden kann. Bei Kleinkindern mit einem Körpergewicht von 15 kg wäre der TDI-Wert bei 30 g Zimtsternen (ca. 6 kleine Zimtsterne) oder 100 g Lebkuchen täglich ausgeschöpft.“ (http://www.medizinauskunft.de/artikel/gesund/Tipps/cumarin_28_09_12.php)


Hessenmagazin.de

Zimt: Man sollte beim Einkauf unbedingt darauf achten, ein Präparat aus Ceylon / Sri Lanka zu bekommen. Finden Sie keinen Hinweis auf die Herkunft, ignorieren Sie das Produkt. In billigen Cassia-Produkten (aus China, Vietnam und Indonesien), die von der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden, ist das gesundheitsschädigende Cumarin* in sehr hoher Dosierung enthalten. Dieser sekundäre Pflanzenstoff wird für Leberschäden und mögliche Verursachung von Krebs verantwortlich gemacht. Für das Gewürz Zimt – als Stangen, Pulver oder Öl – sind keine Cumarin-Höchstgehalte vorgegeben. Vorsicht also bei seiner Verwendung und bei zusätzlichen Aufnahmen von Chai-Tee, Nahrungsergänzungsmittel-Kapseln und Körperpflegemitteln auf Zimtbasis. Sie können hohe Mengen an Cassia-Zimt enthalten.

* Cumarin ist ein Aromastoff, den man auch bei frischem Heu und im Waldmeister wahrnimmt. Derivate (abgeleitete chemische Verbindungen / Abkömmlinge) setzt die Medizin zur Gerinnungshemmung des Blutes ein. Der isolierte Stoff darf einem Lebensmittel nicht zugefügt werden, als Pflanzenteil allerdings doch.„(http://www.hessenmagazin.de/gesund-oder-ungesund-bis-giftig/1631-zu-hoher-cumaringehalt-im-cassia-zimt)

Egal welche Grenzwerte in Zukunft festgelegt werden, eins steckt fest im kollektiven Gedächtnis: Cumarin ist ein leberschädigendes Gift, das im Verdacht steht Krebs auszulösen. Zimt enthält viel Cumarin. Dafür werden auch in Zukunft gesundheitsbesorgte Vereine und Newsticker-Analysten in den Redaktionsstuben sorgen. Aber auch die Lebensmittel-Unternehmen werden einen Teufel tun, ihren Zimtanteil wieder zu erhöhen.
Aber beliebter Cylon-Bio-Zimt wird deutsche Läden im Sturm erobern, mit garantiert nachhaltig geringen Cumarin-Werten.

Schauen wir uns die tatsächliche Forschungssituation zur Ernährungsphysiologie des Cumarins an und ziehen ein in der Fachwelt unumstrittenes Werk zu Rate. Der in seiner 9. Auflage erscheinende Wälzer: Pharmakognosie – Phytopharmazie aus dem Jahr 2010 schreibt über Cumarin folgendes:

Wegen des Verdachts auf Karzigonität wurde die Verwendung von Cumarin in den 1950er-Jahren von der FDA in den USA und anschließend von den Zulassungsbehörden in den meisten Ländern verboten. Damals wurde bei Verabreichung der Substanz in großen Dosen an Ratten und Hunde eine hepatoxische Wirkung festgestellt. Heute weiß man, dass diese durch einen vom Menschen weitgehend verschiedenen Metabolismus (Verdauung) zustande kommt. Für den Menschen besteht daher durch Cumarin enthaltende Nahrungsmittelund Kosmetika kein oder nur in Ausnahmefällen ein hepatoxisches Risiko.
(…)

Beim Menschen wird Cumarin nach peroraler Gabe rasch und vollständig resorbiert.
(…)
In neuerer Zeit hat Cumarin wegen seiner immunomodulatorischen als auch direkten Antitumoreigeneigenschaften neues Interesse geweckt. Eindrucksvolle Ansprechraten von bis zu 30% wurden bislang bei Nierenkarzinom, malignen Melanom und Prostatakarzinom erzielt. {Vgl. Egan et al. 1990; 21. Deutscher Krebskongress}“ (Rudolf Hänsel, Otto Sticher: Pharmakognosie – Phytopharmazie, Springer, Heidelberg 2009, S. 1081).

Abgesang

Wer sind die Gewinner?

Gewinner ist das Lebensmittelchemische Institut Köln (LCI) mit der Produktgruppe „Vorbeugender Verbraucherschutz“. Hier ein Zitat aus einer Jahresschrift des Instituts:
„Ein zusätzlicher Forschungsbereich hat seit der Jahrtausendwende stärkeres Gewicht erhalten: der gesundheitliche vorbeugende Verbraucherschutz. Die Acrylamidforschung des LCI fällt etwa unter dieses Rubrum. Es geht hier nämlich um einen toxischen Stoff, der bei der Verarbeitung und Veredelung eines Rohstoffes entsteht, dessen Wirkung auf den menschlichen Organismus indes nicht über valide Forschungsdaten beschrieben werden kann. In ein ähnliches Forschungsfeld fallen die sogenannten „Active Principles“. Hier handelt es sich um Bestandteile von Gewürzen oder Kräutern, die als Ganzes für den aromatischen Gesamteindruck wesentlich sind, etwa das im Zimt enthaltene Cumarin, gleichzeitig aber aus toxikologischer Sicht von einer gewissen Relevanz sind. Auch hier haben wir es nicht mit einer künstlich generierten Chemikalie zu tun, sondern mit einer Gabe von Mutter Natur. Da die deutsche Süßwarenindustrie bestrebt ist, in jeder Hinsicht sichere Produkte anzubieten, richten sich die Forschungen des LCI in diesen Fällen auf Prozessabläufe und Aspekte der Rohstoffbeschaffung und -erzeugung, um das Entstehen bzw. Vorkommen dieser Wirkstoffe zu minimieren. Zur Identifizierung von Cumarin hat das LCI eine Bestimmungsmethode entwickelt, die es ermöglicht, Cumarin-Gehalte im Mikrogrammper- Kilogramm-Bereich (ppb) zu bestimmen und damit erheblich präziser ist als die bislang üblichen Bestimmungsmethoden. Da es sich um einen natürlichen Rohstoff handelt, sind die Möglichkeiten zur Minimierung eingeschränkt. Letztendlich haben wir es aber auch mit einem komplex zusammengesetzten Lebensmittel resp. Gewürz – in diesem Falle Zimt – zu tun, das in seiner Wirkung als Ganzes betrachtet werden muss.“ (http://www.lci-koeln.de/deutsch/das-lci-feiert-sein-60-jaehriges-bestehen2)

Vornehm distanziert sih das Institut von seiner Tätigkeit, die Frage nach der Sinnhaftigkeit blinzelt aus fast jedem Absatz. Dennoch sorgen die „Active-Principals“ garantiert für mehr als nur ein finanzielles Grundrauschen.

Sieger sind auch die, die gerne das Besondere mit dem Gesunden in einer Einheit – natürlich zu einem deutlich höheren Preis und in deutlich kleineren Mengen – an den aufgeklärten Konsumenten abgeben. Man weiß ja, gottlob, worauf es ankommt.

Fassen wir also zusammen. Eine hysterische FDA verbietet in den 50er Jahren Cumairn wegen Krebsverdachts, hergeleitet aus Tierversuchen. 50 Jahre später treten deutsche Behörden und Verbraucherschutzvereine gegen den Konsum von Cumarin in geschlossener Formation an und verunsichern Verbraucher, ob des Genusses von Zimt und anderen cumarinhaltigen Speisen. Die deutsche Industrie läßt sich einschüchtern, läßt Messmethoden erfinden und schraubt den Cumaringehalt in ihren Produkten gegen Null.

Im Jahr 2012 verbreitet nach wie vor das BfR die Mär von der Gefährlichkeit des Cumarin. Gleichzeitig ist spätestens seit den 90er Jahren bekannt, dass Cumarin erfolgreich mit Quoten von bis zu 30% gegen Nierenkrebs, Prostatakrebs und schwarzen Hautkrebs hilft. Es sind harte Fakten humanpathogener Folgen des Cumarin-Metabolsimus und keine Nagetierhereitungen. Wer erstattet jetzt Strafanzeige gegen das BfR und gegen Foodwatch wegen allgemeiner Volksverdummung und der Entziehung des deutschen Volkskörpers vor Krebsheilmitteln? Warum kann das BfR nicht mitteilen: „Wir haben uns geirrt, Cumarin ist nicht krebserregend sondern schützt vor Krebs? Wer rehabilitiert die, bislang mit krebsverdacht behafteten Lebensmittel/Konsummittel: Waldmeister, Zimt und vor allem Cassia-Zimt oder Bergamottöl?

Cumarin ist eines meiner Lieblingsgewürze – der Waldmeister der Lieblingsbrausegeschmack meiner Kindheit, Zimt ist das Lieblingsgewürz meiner Söhn. Daher freue ich mich ganz besonders, dass es mir gelang, den abschließenden Absatz des Wikipedia Artitels über Cumarin ungeköscht einzufügen.

Schlusspassage im aktuellen Wikipedia-Artikel zu Cumairn

Schlusspassage im aktuellen Wikipedia-Artikel zu Cumairn

Übrigens, der Apotheker M. Pahlow schreibt in seinem dicken Buch über Heilpflanzen (Phytothrapie) dem Zimt folgende Anwendungen in der Volksmedizin zu: Stillung übermäßiger Monatsblutung, Mit Nelkenöl gegen Zahnschmerz, bei Völlegefühl und Blähungen, leichten krampfartigen Magen- und Darmstörungen und bei Magenbeschwerden.

2012-10-21T05:55:17+00:00By |