Nobelpreis 2011 für Medizin

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Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2011

 

Apokalyptischer kann das Signal nicht sein. Ralph Steinman stirbt kurz vor der wichtigsten wissenschaftlichen Ehrung an einer Krankheit die er mit seiner Forschung bekämpfen wollte. Es ist nicht irgendeine Krankheit, es ist Krebs. Eben dieser Krebs, der sich in der industriellen Welt festgefressen hat. Es ist die Krankheit mit den größten Zuwachsraten, die Krankheit, die bald die Herz- Kreislauferkrankungen als Todesursache Nummer eins ablösen wird. Es ist die moderne Form der Pest die umgeht und niemand weiß woher sie kommt und wen sie treffen wird. Steht etwas unter „Krebsverdacht“, wird es sicherheitshalber stigmatisiert. So geht die Angst um, und selbst die Sonne – ewiges und größtes Heiligtum aller menschlichen Kulturen – wird zur Hauptverdächtigen.

Offensichtlich war auch Steinman nicht weit genug gekommen, die Erkenntnisse seiner Beobachtungen, selbst praxisrelevant zu nutzen. Steinman fand lediglich eine weitere Zelle, die an der „Immunantwort“ der Wirbeltiere bei einer karzinogenen Gewebsveränderung beteiligt ist. Doch neu ist diese Gewebeform nicht. In die Medizin gingen sie Ende der 60er Jahre als Langerhanssche Zellen in die Medizin ein. Als Langerhanssche Inseln produzieren diese Zellen beispielsweise in der Bauchspeicheldrüse das Hormon, das dafür sorgt, ATP in weißes Bauchfett zu verwandeln. Langerhans glaubte damals, dass die dendritischen Zellen Nervenzellen der Haut seien.

Inzwischen wissen wir, auch dank der Forschungen Steinmans, dass diese Zellen überall in der Haut und den Schleimhäuten zu finden sind und eine Schlüsselrolle im lymphatischen System einnehmen. Dendritischen Zellen werden heute eine Polizei- und Vermittlerfunktion zugeschrieben. Sie sollen das Immunsystem aktivieren, gegen pathogene Eindringlinge und Gewebsveränderungen vorzugehen. Leider versagen sie bei Krebs oder HIV.

Was nutzt eine Polizei, die bei stadtbekannten Schwerverbrechern versagt? In der realen Welt kommt schnell der Verdacht der Korruption auf. Anders in der Medizin. Sie verteilt Steckbriefe an die Polizei: „Das sind die Verbrecher, also fang sie“. Ob sich durch diese Maßnahme korrupte Polizisten tatsächlich beeindrucken lassen, ist fragwürdig. In Europa und den USA wird inzwischen genau dieses Verfahren praktiziert, Krebspatienten mit manipulierten dendritischen Zellen zu infizieren. Ein genmanipulierter Bock bleibt ein Bock und wird niemals ein guter Gärtner.

Zurück zum Nobelpreis. Die Preisverleihung an den krebstoten Steinman hat archetypische Symbolkraft. Die wissenschaftliche Heiligsprechung erreicht den Heilssprecher nicht mehr. Wir kommen zu spät. Die rechte Zeit wurde verpaßt, in der Ehrung und der Forschung. Welche Hoffnung auf Heilung bleibt einem Krebspatienten? Wie will sich die Medizin gegen eine sich epidemisch ausbreitende todbringende Krankheit wehren, die gerade einmal einige ihrer Akteure aufzuzählen weiß? Auch heute ähneln die Erfolgschancen einer Krebsbehandlung den Gewinnchancen beim Roulette. Es gibt kein Modell auf dessen Basis eine 100%ige Heilung in allen Verlaufsstufen garantiert werden kann. Vom Nobel-Komitee wurden 2011 „neuartige Einblicke in Krankheitsmechanismen“ honoriert. Ob sie – wie die Laudatio für Steinman behauptet – tatsächlich „neue Wege für die Entwicklung von Prävention und Therapie gegen Infektionen, Krebs und entzündliche Erkrankungen eröffnet“, ist zunächst nur ein frommer Wunsch ohne jede Erfolgsprognose.

Nun kann man es für Zynismus halten drüber zu sinnieren, ob die Auswahl aus tatterigen Wissenschaftsveteranen die Ursache der Nobelschen posthumen Premiere ist. In Deutschland hätte Steinman noch sieben Jahre bis zu seiner Rente forschen können. Das Dilemma ist jedoch ein anderes. Auch Steinmans Beobachtungen erzwingen keinen Paradigmenwechsel in der Krebsforschung. An den Axiomen von der menschlichen Anatomie und den Funktionen des vorgefundenen Gewebes wird nicht gerüttelt, nicht einmal vorsichtig geklopft.

Wie lange müssen wir noch auf den Nobelpreis für die Entdeckung warten, dass die Dendritischen Zellen selbst der Krebs in uns sind? Wie lange noch glorifiziert die Medizin eine durch und durch korrupte Lymph-Polizei als „Freund und Helfer“? Die ungewollte posthume Ehrung eines krebstoten Krebsforschers durch das Nobel-Komitee signalisiert in einer einmaligen Metapher, es ist bereits fünf Minuten nach zwölf Uhr. Eine weitere Hochkultur tritt auf unerklärliche Weise von der Bildfläche der Geschichte ab.

 

2012-09-19T10:50:53+00:00By |